Weiterentwicklung des Hausarzt-EBM zum 01.10.2013:

25.07.2013

Zum 01.10.2013 treten vielfältige Änderungen für hausärztlich tätige Vertragsärzte in Kraft. Im Folgenden die wichtigsten Neuerungen:

1. Anpassung der Versichertenpauschalen

Die Versichertenpauschale wird nicht wie bisher in 3, sondern in 5 Altersklassen aufgeteilt: Bis zum 4. Lebensjahr, 5. bis 18. Lebensjahr, 55. bis 75. Lebensjahr und ab 76. Lebensjahr. Die Versichertenpauschale wird für Altersgruppen einheitlich unter der GOP 03000 für Hausärzte und 04000 für Kinderärzte geregelt. Die jeweilige Altersgruppe wird von der KV automatisch zugesetzt.

2. Zusatzpauschale für den hausärztlichen Versorgungsauftrag

Darüber hinaus erhalten Hausärzte für das Vorhalten hausärztlicher Strukturen eine Zusatzpauschale, welche einmal im Behandlungsfall angesetzt und mit 14,00€ bewertet wird.

Voraussetzung ist, dass im Behandlungsfall keine Spezialleistung, sondern ausschließlich Leistungen der hausärztlichen Grundversorgung erbracht werden. Hierunter fallen beispielsweise Leistungen aus den Bereichen der Schmerztherapie, Psychotherapie, Onkologie oder Akupunktur. Auch die Zusatzpauschale wird von der KVWL zugesetzt. Besondere Bestimmungen gelten bei der Versorgung von Diabetes- oder HIV-Patienten.

Insbesondere Praxen mit hohen Fallzahlen profitieren von der neuen Zusatzpauschale. Ab 1.200 Behandlungsfällen im Quartal erhält der Vertragsarzt einen Aufschlag von 10% auf die Zusatzpauschale, bei weniger als 400 Patienten im Quartal wird ein Abschlag von 10% vorgenommen.

3. Ausgliederung der Gesprächsleistungen

Das ausführliche Gespräch wird wieder als Einzelleistung vergütet. Je 10 Minuten Dauer kann die neue Gebührenposition 03230, 04230, welche mit 9,00€ bewertet ist, abgerechnet werden.

Neu ist die Einführung eines Gesprächkontingents: Je Behandlungsfall (ausgenommen Not- und Überweisungsfälle) steht dem Vertragsarzt ein „Gesprächsbudget“ von 4,50€ zu.

Zu beachten ist, dass das Gespräch mit einer Prüfzeit von 10 Minuten hinterlegt ist. Bei einer Nebeneinanderabrechnung der Gesprächsleistung und der Versichertenpauschale ist eine Dauer der Arzt-Patienten-Kontaktzeit von 20 Minuten, in Überweisungs- oder Vertreterfällen eine Dauer von 15 Minuten Abrechnungsvoraussetzung. Auch bei diagnostischen oder therapeutischen Leistungen erfolgt eine Addition der Prüfzeiten.

4. weitere Änderungen

Darüber hinaus werden neue Leistungen in den Hausarzt-EBM eingefügt, wie etwa die Geriatrische Versorgung, Leistungen der allgemeinen Palliativversorgung und sozialpädiatrische Versorgung der Kinder- und Jugendärzte.

Der Chronikerzuschlag unterliegt ab dem 01.10.2013 neuen Abrechnungsbestimmungen. Zum einen wird ein solcher Zuschlag nur dann gewährt, wenn auch die Voraussetzungen für die Abrechnung der neu eingeführten Zusatzpauschale für den hausärztlichen Versorgungsauftrag (s. unter 2.) erfüllt sind. Des Weiteren wird differenziert, ob im Quartal ein Patientenkontakt oder zwei bzw. mehr Patientenkontakte stattfinden. Letztlich muss die Notwendigkeit einer kontinuierlichen ärztlichen Behandlung dokumentiert sein. Eine solche liegt im Wesentlichen vor, wenn in den letzten vier Quartalen wegen derselben gesicherten Erkrankung mindestens ein Patientenkontakt stattgefunden hat (für Einzelheiten vg. Präambel des Kap. 3.2.2 EBM n.F.).

Fachgleiche, haus- und kinderärztlich tätige Berufsausübungsgemeinschaften erhalten künftig anstelle eines Zuschlages von 10%, einen Zuschlag in Höhe von 22,5% auf die Versichertenpauschalen.